Reiseblog von Tanja

Über mich

Tanja

Mein Name ist Tanja, ich bin 24 Jahre alt und komme aus Zürich. Ich studiere Business Administration mit dem Schwergewicht auf Public and Non Profit Management in Luzern.

Durch meinen ehemaligen Freund kam ich in Kontakt mit seiner Gotte Sybil und durch sie mit der Arbeit von Let the children Uganda. Sybil hat mich sehr ernst genommen, als ich sagte, dass ich gerne nach Uganda reisen möchte, um den Kindern dort zu helfen. Vielen Dank Sybil, dass Du mir geholfen hast, diesen Traum wahr werden zu lassen.

Unterwegs mit Regimer

Diese Woche hat wieder eindrücklich gestartet und zwar beim Shopping im Central Market in Jinja. Richtig chaotisch geht es da zu und her. Man schlendert von Stand zu Stand und durchstöbert Bergen von Kleiderhäufen. Mehr oder weniger jedes Kind hatte Glück und erhielt zwei bis drei neue Kleiderstücke. Regimer hat ein sehr gutes Auge für die Kleider ihrer Kinder im Haus.

Am nächsten Tag ging ich mit Regimer in die St. Bernadette Primary School und holten die Reports mit den Noten von Patience, Peace, Esther, Derick und Joshua. Anschliessend besuchten wir Marys Familie. Ihr und den Kindern ging es sehr schlecht sie mussten sogar in den Spital. Mary wirkte ein wenig verzweifelt aber sie war so endlos dankbar über den Besuch. Ich brachte Früchte und habe mich mit Mary und den Kindern unterhalten.

Da fast alle Kinder das Quartal sehr erfolgreich abgeschlossen haben, gingen wir alle zusammen zur Feier ins Hotel Paradise auf ein leckeres Essen aus. Es wurde Fleisch und Chips gegessen und Soda getrunken. Mit vollem Bauch und glücklichen Gesichtern fuhren wir wieder zurück.

Den Rest der Woche haben die Kinder viel Schach gespielt. Sie sind bereits richtig gut. Joshua ist erst acht Jahre alt und hat bereits richtig Talent. Die Kinder haben mir auch motiviert aus den Büchli die ich gekauft habe vorgelesen. Ausserdem spielten wir Uno und Verstecken im Garten.

Am Freitag durften Peace und Patience mit mir nach Jinja kommen. Unkel Hamsa hat uns beim Central Market abgeladen. Sie durften ihre Lieblingsfrüchte aussuchen. Danach gingen wir in den Supermarkt, wo sie ein Dessert und Chips für alle kaufen durften. Danach wollte ich sie auf sechs Uhr in die Zumba Lektion mitnehmen. Leider war die Zumba-Lehrerin krank und so gingen wir darauf hin anstatt Sport zu treiben ins Café The Deli und teilten uns eine Pizza. Auf dem Weg zur Tanzschule stoppten wir noch bei einem Videostore. Sie haben sich den Film „Johnny English“ ausgesucht, welchen sie später am Abend schauen durften. Ich hatte so viel Spass mit den Mädchen und sie haben den Ausflug richtig genossen, denn sie haben selten die Chance nach Jinja zu fahren.

Am Samstagmorgen früh reiste ich mit Regimer, Kizzas Frau, für drei Tage nach Kapchorwa zu den Sipi Falls. Ich durfte Regimer von einer ganz anderen lustigen und crazy Seite kennenlernen. Wir hatten so viel gelacht und tiefe Gespräche geführt. Es war ein richtig toller Ausflug, full of life and passion!

Die zweite Woche

Ich kann es kaum glauben, diese Woche verging wie im Fluge. Ich startete meine Woche im Café The Deli an der Main Street mit einem leckeren Milchshake. Danach ging der Tag erfolgreich mit dem Bau eines Kompostes weiter . Ich hatte grosse Unterstützung von Joshua und Tracy.

Die Kinder sind ein wenig verwirrt, sie wollen manchmal die Bananenschale in den normalen Abfalleimer werfen, welcher letzte Woche ebenfalls neu dazu gekommen ist. Aber sie lernen!

Am Dienstag hatte ich eine tolle Begleitung von Derrick und Tracy für meinen Morgen-Run. Nach dem Frühstück habe ich meine beiden Jogging Buddies gerade auf einen Ausflug zur Niles River Explorers Lodge mitgenommen. Wir besichtigten dort den Park und haben gemütlich eine Soda getrunken.

Am Abend besuchten Kizza, Shine, Kyle und ich Joy, die Mutter von Kizza. Dies war ein wunderschöner Besuch. Joy ist so eine sehr herzliche Person, ich fühlte mich sehr willkommen bei ihrer Familie. Für den Run for Joy versuchte ich Joy beizubringen, auf deutsch “Achtung fertig los!” zu sagen. Uiuiui, war das lustig. Es war so schwierig für sie. Joy lebt mit ihrer Familie und einigen Kindern (insgesamt 15 Leute) aus dem LTC Projekt auf kleinstem Raum, das kann man sich kaum vorstellen. Durch den Tag stapeln sie alle Matratzen auf einen Haufen. Ich fühlte mich so schlecht, mit leeren Haenden bei ihr auf Besuch zu sein. So entschloss ich, sie am nächsten Tag auszuführen. Kevin, der beste Freund von Kizza, hat uns bei unserer Spass-Tour begeleitet. Zuerst kauften wir ein wunderschönes Kleid, danach gingen wir zum Cenral Market und kauften Früchte und Gemüse und zu guter letzt stoppten wir als Überraschung für die Kinder noch bei einem Candy Shop. Süsses gibt es nicht allzu oft, daher waren alle sehr happy und Joy am meisten.

Am Abend besuchten wir die Familie von Mary. Sie lebt ebenfalls in einer ganz kleinen, schmuddeligen Hütte mit ihren 7 Kindern. Sybil und Kizza haben diese Familie unabhängig voneinander gefunden und so war klar, die Kinder sollten im Projekt aufgenommen werden. Mary ist eine sehr liebenswürdige Person. Doch die Kinder sind im Vergleich zu meinen Kindern bei Kizza zuhause sehr wild und nicht so gut erzogen. Ich war fast froh als wir wieder losfuhren.

Auf dem Nachhauseweg verlangte ich einen Stop, um einen Kuchen zu kaufen als Überraschung. Es war Kyles sechster Geburtstag. Die Kinder hier in Uganda wissen oftmals gar nicht genau wann ihr Geburtstag ist, er wird auch gar nicht gross gefeiert da die finanziellen Mittel häufig dazu fehlen.

Am Donnerstag gingen wir bei Mayengo vorbei. Doch seine Kinder Natascha und Anita waren ganz alleine zuhause und wirkten sehr traurig. Ich fragte Kizza ob wir die beiden kleinen, süssen Mädchen nicht mitnehmen können. Er zögerte nicht einen Moment und die Kinder packten ihre Kleider und kamen mit. Die sind wirklich zu jung, um auf sich selber aufpassen zu können. Am selben Abend habe wir noch die Boys in ein eigens Zimmer gezügelt und bei den Mädchen schön geputzt und alles aufgeräumt. Es sieht im Vergleich zu vorher super aus.

Nach 1000 mal Uno zu spielen wollte ich den Kinder ein ein wenig anspruchvolleres Spiel beibringen. So ging ich mit Tracy nach Jinja und kaufte ein Schach. Wir üben jetzt täglich. Am nächsten Tag war ich aber noch nicht zufrieden, da Schach nur immer zwei spielen können. So ging ich mit Regimer nochmals nach Jinja um Kinderbücher zu kaufen um zu lesen. Die Kinder waren sehr interessiert und motiviert zu lesen. Ich habe das Gefühl, die sind fast ein wenig unterfordert. Am späteren Nachmittag zeigte ich ihnen einer meiner Lieblingsfilme «Queen of Katwe», eine wahre Geschichte über ein Mädchen aus Kampala. Sie haben richtig mitgefühlt.

Ich hatte eine weitere wundervolle Woche hier in Jinja. Von Woche zu Woche komme ich näher an die Kinder heran. Wir haben wieder viel gespielt. Zum Beispiel 15, 14. Ich fühlte mich wieder wie in meiner eigenen Kindheit. Das haben wir im Sommer immer bis tief in die Nacht gespielt mit allen Nachbarkindern. Diese Woche beim Abwaschen haben Patience und Peace mir sehr viel von ihrer Familie erzählt. Es bauen sich sehr wertvolle Freundschaften auf mit den Kindern. Ich weiss schon jetzt, ich bin definitv nicht das letzte Mal in Uganda.

Meine grosse Reise nach Uganda

Am Mittwoch, 17. April brachten mich meine Mutter und eine meiner besten Freundinnen frühmorgens an den Flughafen. Es hatte mich richtig erstaunt, dass ich kein bisschen nervös sondern voller Zuversicht war. Als ich im Flugzeug sass, hatte ich dann einen ersten emotionalen Moment. Mein Leben war in den letzten Monaten wie eine Achterbahn. Das Gefühl, nun alles für eine Zeit lang hinter mir zu lassen und ein neues Lebenskapitel aufzuschlagen ist einfach unglaublich und sehr befreiend. Ich wusste, nun war ich bereit für Uganda und alle die Let the children Kinder.

Kurz darauf fragte mich eine afrikanische Familie, welche neben mir sass, ob ich auch nach Uganda fliege. Die Mutter erklärte mir, dass sie nach Hause fliegen, um ihre Familie zu besuchen. Sie war sehr offen und nett zu mir. Wir blieben die ganze Reise beieinander und sie waren mir eine grosse Hilfe, vor allem am Flughafen in Entebbe. Auf dem zweiten Flug lernte ich ausserdem noch meinen neuen, ugandischen Freund Max kennen. Er war sehr nett und wir sprachen viel über Uganda und unsere Familien und so. Mir wurde also schon im Flugzeug klar, dass Uganda eines der gastfreundlichsten Länder sein muss, in denen ich je war!

hier wohne ich

Kizza wartete bereits auf mich am Flughafen. Als ich zu ihm kam, sagte ich: „Einen Moment, ich muss mich noch von meinen Freunden verabschieden“, worauf er fragte: „Was, Du bist mit Freunden gekommen?“. Die erste Nacht verbrachten Kizza, sein bester Freund Kevin und ich noch in Kampala. Am nächsten Tag fuhren war zu meinem neuen Wohnort für die nächsten paar Wochen.

die Kinder haben Farbstifte erhalten

Es war ideal, auf die Ostertage hin anzukommen, so hatten all die Kinder schulfrei und ich hatte die Gelegenheit, gleich mal alle kennenzulernen. Schon nach drei Tagen fühlte ich mich als Teil dieser Familie und ich liebe jedes dieser Kinder. Ich war überrascht, wie wohlerzogen, freundlich und selbständig diese Kinder sind. Sie waschen ihre eigene Wäsche, reinigen den Boden, waschen ab und die älteren helfen jeweils den jüngeren beim Baden. Sie sind trotz unterschiedlicher Herkunft eine grosse Familie geworden. Gerade mir gegenüber sind sie besonders hilfsbereit und respektvoll. Sie haben all ein wunderbares Herz und doch hat jedes seinen eigenen, einzigartigen Charakter. Gerade wegen der meist traumatischen Vergangenheit dieser Kinder, ist es umso schöner, zu sehen wie glücklich sie bei Kizza und Regimer sind. Sie lachen, spielen und sind voller Energie. Es macht mir soviel Spass, mit ihnen Uno oder im Garten mit dem Ball zu spielen.

Am Ostersonntag gingen wir alle zusammen in den Gottesdienst. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie soviel in einer Kirche getanzt. Die Stimmung war einfach unvergesslich!

Nun bin ich eine Woche in Uganda und fühle mich schon wie eine richtige Afrikanerin. Ich habe ein Huhn gerupft. Erst brauchte es etwas Mut, aber dann gewöhnte ich mich daran. Ich habe Becky und Tracy oft beim Kochen geholfen.

Essenszubereitung

Kizza fand Becky in ihrer Sippe. Sie hatte mit dem Leben zu kämpfen, denn es ist so schwer eine Arbeit zu finden. Ihre Tochter Tracy ist bereits 19 und konnte keine Schule besuchen. Darum hat Kizza Becky einen Job im Haus angeboten. Sie bereitet nun jeweils das Essen für die Kinder zu und kümmert sich um sie, wenn sie von der Schule zurückkommen. Tracy hilft ihrer Mutter sehr und ich bin so froh, dass auch sie nun ab Mai zur Schule gehen kann. Kizza leistet einen tollen Dienst. Man kann den Familien nicht einfach Geld geben, es ist besser wenn man ihnen Arbeit gibt. Auch ein anderer Mann, dessen beide Töchter Natasha und Anita ebenfalls bei Let the children untergebracht sind, arbeitet im Garten des Hauses um etwas Geld zu verdienen.

Diese Woche habe ich Serge, einen Fussballer aus Kampala, ungefähr in meinem Alter, getroffen. Er erklärte mir, wie schwierig es sei, in Uganda Arbeit zu finden. Sogar Leute mit einem Bachelor Abschluss haben kaum Chancen auf eine Stelle. Vieles läuft nur über Vitamin B (Beziehungen). Den meisten Leuten geht es wie ihm selber, dass sie jeden Morgen wenn sie aufstehen überlegen müssen, wie sie zu etwas Geld zum Überleben kommen könnten. Seine Geschichte berührte mein Herz sehr. Es ist schrecklich zu sehen, wie Leute in meinem Alter mit guter Ausbildung so zu kämpfen haben. Die Welt ist manchmal einfach ungerecht. Nach der ersten Woche hier hat sich meine Denkweise schon verändert. Klar wusste ich schon zuvor, dass wir in der Schweiz ein priviligiertes Leben führen. Aber jetzt realisiere ich es auf einer ganz neuen Stufe.

Einer der Höhepunkte dieser Woche war, als ich mit einigen der Kinder zu einem Schwimmbad gehen konnte. Es gibt nichts was mich glücklicher machen könnte, als diese fröhlichen Kinder zu sehen.

Kizza startete mit mir ein neues Projekt mit Kindern, welche an HIV erkrankt sind. Am Dienstag brachten wir zum ersten Mal ein Mädchen ins Spital um eine Blutuntersuchung vornehmen zu lassen. Sie ist erst 16 Jahre alt, also in dem Alter wo das Leben eigentlich erst so richtig losgeht. Es ist nicht immer einfach, in solchen Situationen stark zu bleiben. Nächste Woche werden wir noch mehr Kinder zum Spital bringen. In erster Linie geht es bei diesem Projekt aber auch darum, den Kindern psychologische Betreeung zu geben und sie zu ermutigen.

Am Freitag waren wir zu Besuch bei Mukasa, seiner Frau und den Söhnen Joseph und David. Beide Kinder sind im Let the children Programm. Leider haben beide Elternteile psychische Probleme, weswegen es wichtig ist, dass wir sie immer wieder besuchen, um zu sehen wie sie mit den Kindern umgehen und ob es denen gut geht.

Tracy und Philip sind meine besten Freunde. Beide sind 19 Jahre alt dank ihnen fühle ich mich an meinem neuen Wohnort beinahe wie zu Hause. Sie begleiteten mich nach Jinja, Kampala, der Nilquelle oder wohin ich auch immer gehen wollte. Sie erklärten mir jeweils auch, welchen Bus oder welches Taxi ich nehmen sollte oder wie teuer das Boda Boda (Motorrad-Taxi) sein sollte. Philip ist der älteste Let the children Teilnehmer und steht kurz davor, die High School abzuschliessen. Ich bin so stolz auf und glücklich für ihn. Heute wird er an einer Abschlussfeier teilnehmen. Er sieht so gut aus in seinem Anzug.

Diese ersten eineinhalb Wochen waren gefüllt mit Freude, Glücklichkeit aber auch herzzerbrechenden Momenten. Wir lachten, wir tanzten, wir sangen und spielten. Ich liebe meine neue Familie schon so fest!